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Unsere Philosophie

Imkereien haben viele Facetten: sie reichen von der Erwerbsimkerei mit hundert und weit mehr Völkern bis hin zur Hobbyimkerei mit nur ganz wenigen Völkern. Dementsprechend sind auch die Motive der Imker*innen sehr verschieden. Für uns als kleine Nebenerwerbs-Imkerei mit knapp 25 Völkern steht die landschaftspflegerische Aufgabe der Bienen und die Begeisterung für das Lebewesen Biene im Vordergrund.

Weniger der Honigertrag als unsere pädagogische Tätigkeit mit den Bienen bildet die Erwerbsgrundlage und das Leitmotiv unserer Imkerei. Für unsere pädagogischen Leistungen haben wir den Umweltpreis der Stadt Nürnberg erhalten.

Imkerlich sind wir breit aufgestellt, begonnen mit Zandermaß haben wir inzwischen zur Hälfte Dadant. Daneben leben unsere Bienen auch in TopBarHive, in der Bienenbox, auch schon mal im Lüneburger Stülper und in der Mellifera-Großraumbeute. Ein nicht unwesentlicher Teil der Bienen behält komplett den eigenen Honig zur Überwinterung. Auch bei den anderen sogenannten Wirtschaftsvölkern ist durch Bescheidenheit bei der Honigentnahme die Nichtgabe von Zucker imkerliches Ziel.

Ab 2021 wird die Bienenhaltung um einige Schiffer-Trees erweitert, zur Arterhaltung unserer Honigbienen.

Die Bienen

Ohne Bienen gäbe es in unseren Landschaften keine blühenden Pflanzen. Denn im Zuge der Evolution sind die blühenden Pflanzen und die sie bestäubenden Insekten zeitgleich und voneinander abhängig entstanden.

Die Honigbienen sind dabei die wichtigsten Bestäuber, da sie als staatenbildende Lebewesen zu Beginn einer Wachstumsperiode in genügend großer Anzahl vorhanden sind, um die Fülle der Blüten zu versorgen. Darüber hinaus sind sie blütenstet, d.h. sie fliegen im Normalfall immer die gleichen Blüten an, was letztendlich Voraussetzung für die Bestäubung ist.

Eng verbunden mit dem Sonnenlauf im Jahr geht die Entwicklung der einzelnen Bienenvölker vor sich. In faszinierender Weise wirken dabei bis zu 50.000 Bienen in einem Volk zusammen, immer orientiert am Wohl des Ganzen.

Bienen sind Gradmesser für den Zustand einer Landschaft. Monokulturen, das intensive Ausbringen von Insektiziden und anderen Pestiziden machen den Bienen insbesondere im ländlichen Raum das Leben schwer.

Bienenhaltung öffnet daher die Augen für einen notwendigen ökologischen Umbau unserer Lebensweise, genauso aber auch die Betrachtungsweise des eigenen Tuns in der Imkerei.

Bienen und Politik

Die Honigbiene ist wie alle anderen Insekten aber auch ein wichtiger Indikator für den Zustand unserer Landschaft, in der die Artenvielfalt eine wichtige Säule darstellt. Aus unserer Beobachtung heraus hat sich in den letzten Jahren gerade auf dem Land die Situation dramatisch verändert. Monokulturen aus Mais und Raps, Flächenzusammenlegungen bei gleichzeitiger Vernichtung von wertvollem alten Hecken- und Hochstammbestand, aber auch Bodenverdichtungen mit weitreichenden Folgen für Wasserhaushalt und Bodenleben fallen zunehmend auf. Ursachen sind politische Rahmenbedingungen, die eine Landwirtschaft nach ökologischen Kriterien mehr verhindert als fördert.

Diese Problematik versuchen wir aktiv in alle Ebenen der Politik zu tragen. Wir wollen gerade mit unserer Art der Imkerei Vorreiter und Pionier sein. Nicht der wirtschaftliche Ertrag an Honig muss bestimmend für Imkereien sein, sondern die landschaftspflegerischen Dienste der Bienen sollen den Imkereien, ähnlich einer Schäferei honoriert werden.

Wir versuchen Präsenz zu zeigen, mit zu diskutieren und zu gestalten. Neben der großen Forderung nach einem Umbau des landwirtschaftlichen Subventionssystems nach gesellschaftlichen und ökologischen Nutzen, müssen kurzfristig die schlimmsten, weil giftigsten Auswüchse in unserer Nahrungsproduktion verboten werden: sämtliche Neonikotinoide und das auf Glyphosat basierende RoundUp. Sie gefährden nicht nur unsere Artenvielfalt, sondern bergen ein hohes Gesundheitsrisiko für Mensch, Tier und Pflanze.

Bienen und Wissenschaft

Seit Jahren sind wir Partner an wissenschaftlichen Projekten: An verschiedenen Standorten halten wir Völker für Forschungen, die zumeist etwas mit Schadstoffbelastungen in der Umwelt zu tun haben. Bienen sind da nützliche Mitarbeiter, da das Sammeln von Nektar, Pollen und Propolis zwangsläufig einen Zustand, ein Spiegelbild der realen Situation in der Landschaft abbildet. So durften wir mit Prof. Dr. Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin arbeiten, gemeinsam mit EBL-Naturkost für die Initiative "Ackergifte-Nein Danke, für eine enkeltaugliche Landwirtschaft", für das eigeninitierte Biokreis-Wachsprojekt und derzeit für das staatlich geförderte Forschungsprojekt der Universität Regensburg unter Prof. Ruther und Biokreis zur Bienengesundheit in Hinblick auf Konventionelle- versus Bio-Bienenhaltung.

Daneben sind wir inspiriert von den Forschungen Torben Schiffers, Mitarbeiter von Prof. Jürgen Tautz von der Universität Würzburg. Er stellt letztenendes unser imkerliches Tun als solches in Frage und stellt zurecht die Frage nach der Arterhaltung der Honigbiene. Ab der nächsten Saison werden wir voraussichtlich drei Schiffer-Trees aufstellen, in gewisser Weise als Ergänzung und Ausgleich für unsere "imkerlichen" Völker.

Torben Schiffer

Imkerei bedeutet heute eine Bienenhaltung, die den Bienen in ihrer Art nicht entsprechen. Ihre Behausung wird aus Gründen der Größe, der Wärme- und Feuchtigkeitsregulierung ihren Bedürfnissen nicht gerecht. Im Mittelpunkt stehen die Ansprüche der Imkerei, nicht die der Bienen. Der Schiffer-Tree, eine Baumhöhlen-Simulation - ihres ursprünglichen Lebensraumes - steht damit als Chance des Art-Erhalts der Bienen aus ihrer eigenen Kraft heraus.

Buchtipp: Evolution der Bienenhaltung, 2020

Prof. Randolf Menzel

Die Intelligenz der Bienen

Prof. Menzel konnte nachweisen, dass geringste Spuren von dem mit am häufigsten angewendeten Neonikotinoid Thiacloprid das Nervensystem der Bienen beeinträchtigen. Damit hat es unmittelbar Folgen auf den Orientierungssinn der Bienen und ist ein Grund für ein "schleichendes" Bienensterben. 

Er war wichtiger Inspirator für das Biokreis-Engagement für Bienengesundheit und  gegen Kontaminationen in Bienenvölkern.

Buchtipp: Die Intelligenz der Bienen, 2016